Ackerbericht Juli

Im Mittelpunkt stand dabei, dass wir uns ausgetauscht haben, vor allem über das Thema Bodenbearbeitung, aber auch über viele andere Themen: wie funktioniert mulchen?; wie und mit welchen Geräten wird auf den verschiedenen Betrieben gehackt?, Arbeitsbedingungen; Feminismus in der Landwirtschaft; uvm. Außerdem durften wir drei Gemüsegärtnereien besichtigen. Eine eindrucksvolle Woche also für mich, während Chris und Mara in Dorheim die Stellung gehalten haben. Ich hab versucht mir für Dorheim für uns anwendbare Ideen und Tipps mitzunehmen. Zum Beispiel habe ich mich mit Johanna, die in Ihrem Betrieb für die Kräuterproduktion zuständig ist, über unseren Korianderanbau unterhalten. Bei uns ist es so gelaufen: Wir haben Korianderjungpflanzen gekauft und gepflanzt, sie sind gut angewachsen und haben sich gut gemacht, dann haben wir die Pflanzen geerntet und Korianderbunde ausgegeben und 1-2 Wochen später mussten wir leider sehen, dass fast alle Pflanzen anfangen in die Blüte zu gehen und zu schießen. Das hatten wir uns so nicht gedacht, wir wollten gern immer wieder Koriander ausgeben können, so wie bei Petersilie und Schnittlauch. Beim Dill gibt es übrigens das gleiche Problem. Jetzt habe ich erklärt bekommen, dass das schnelle Schießen bei Koriander ganz normal ist und auch Dill was das betrifft keine einfache Pflanze ist. Johanna macht das so: Alle 2 Wochen wird ein kleines Stück (ca 7 Meter) Koriander und Dill ausgesäht, direkt aufs Feld ins Freiland. Der macht sich wohl auch gut, Saatgut ist immer kostengünstiger als Jungpfanzen und durch diesen 2 wöchigen Rhythmus, bei dem immer neue Pflänzchen kommen ist immer frischer Koriander und Dill zum Bunde schneiden zur Verfügung. Klingt gut und würde ich für uns jetzt auch mal so ausprobieren! Vielleicht erst in der nächsten Saison, notiert ist es jedenfalls.

Die Zuckermelonen haben ihre ersten Früchte bekommen
…und die Süßkartoffeln blüten

Als ich zurück kam hatte sich einiges verändert! Nicht nur auf unserem Feld, auch in der Umgebung: abgereift Getreidefelder, Mähdrescher und Ballenpressen. Und auch auf unserem Acker : viele gelbe Stellen, wo im Juni noch grün war. Juli war ein Monat mit so gut wie keinem Regen (vielleicht einmal 5 l..). Die Erde, die Gräser auf dem Wegen – alles sehr trocken. Das heißt wir müssen regelmäßig die Bewässerung anschmeißen. Die Trockenheit hat dabei richtig weitreichende Folgen, mit denen wir garnicht gerechnet haben. Nicht nur der Boden und die Pflanzen haben Durst, auch die Tiere brauchen Wasser. Von einem Nachbarbetrieb hatten wir gehört, dass Krähen Wasserschläuche zerpickt haben um aus den Schläuchen zu trinken. Da haben wir uns noch gedacht, dass wir mit unseren etwas dickeren Schläuchen wahrscheinlich auf der sicheren Seite sind. Leider hat sich herausgestellt, dass das nicht stimmt. Immer häufiger haben wir jetzt massiv zerlöcherte Bewässerungsschläuche. Wir vermuten, dass Feldmäuse etwas trinken wollen, das Wasser in den Schläuchen hören oder an den Tropfstellen sehen und dann in die Schläuche beißen um besser trinken zu können. Das ist für uns ein echtes Dilemma. Wir brauchen die Schläuche dringen heil, damit der Druck sich gut verteilt und alle Pflanzen auf dem großen Feld genug Wasser bekommen. Die kaputten Schläuche neu zu kaufen ist sehr teuer und das reparieren kosten viel Zeit und Aufwand und auch wenn wir eine der Varianten wählen ist das Problem nicht behoben und wir können wahrscheinlich gleich wiederentstehende Löcher flicken. Richtig blöd. Wahrscheinlich müssten wir etwas gegen die Mäuse auf dem Acker tun, die zur Zeit bei uns überall rumflitzen. Ein offenes Stück Feld mäusefrei zu bekommen ist aber auch nicht so leicht. Wir versuchen Lösungen zu finden! Falls ihr da auch gute Einfälle habt oder aktiv werden wollt (z.B. weitere Greifvögelstangen bauen und aufstellen) wäre das supi! 🙂

Gurken und Zuchini

Neben diesen eher unschönen Neuigkeiten gibt es natürlich auch Gute. Die Wärme macht sich bemerkbar: die Ernte ist fett. In den letzten beiden Juliwochen war es nun so, dass Chris und ich eine Morgenroutine von 1-2 Stunden haben. Wir ernten jeden Tag Zuchini, Gurken und Tomaten, zählen sie und bringen sie in den Keller (der wirklich erstaunlich kalt bleibt – wie ein Kühlschrank!) , wo sie auf ihre Ausgabe am Freitag warten. Danach gehen wir noch eine Runde bei den Tomaten und Paprika um Kartoffelkäfer abzusammeln. Da bei den Kartoffeln nun nicht mehr viel grün zum essen dran ist, suchen die Käfer sich andere leckere Pflanzen und da finden sie Auberginen, Tomaten und Paprika als verwandte Nachtschattengewächse ganz toll.

Calendula und bunte Wucherblume

Im Juli haben die Bohnenpaten auch wieder trotz doller Hitze, jede Woche Bohnen für uns alle geernten. Vielen Dank dafür!!
Außerdem gab es an zwei Samstag einen Mitmachtag. An beiden Mitmachtagen konnte ich wegen Seminar und Krankheit leider nicht kommen. Chris hat mir erzählt, dass es nicht besonders viele von euch auf den Acker gezogen hat an den Samstagen. Eine kleine Gruppe von 2 – 4 Menschen hat sich aber jeweils doch zusammengefunden und an die Beikrautbekämpfung gemacht. Ich finde das Ergebnis kann sich sehen lassen. Insgesamt sind wir im Juli gut hinterher gekommen, meinem Gefühl nach besser als 2019. Die Möhren, die Zwiebeln, der Mais und die Köhler sehen wirklich ganz ordentlich aus. Gerrit hat sich nun vorgenommen den Lauch zu pflegen und letzte Woche losgelegt. Er bringt sich schon den Juli über fast jede Woche mit einem Arbeitseinsatz von ein paar Stunden ein. Und an ein paar Stellen haben wir doch wieder (so wie man es von unserem Solawi-Acker ja irgendwie auch schon kennt) ein bisschen verunkrautete Beete. Aber alles nicht so schlimm!
Falls ihr im August Lust habt auf dem Acker mitzuhelfen, dann erwartet euch warscheinlich kein Unkraut jäten mehr, sondern Ernte! Darauf wird ab jetzt immer mehr der Fokus liegen und anfangen wollen wir mit der Zwiebelernte und Einlagerung in den nächsten zwei Wochen.

Zum Schluss noch eine Information an alle, die sich gefragt haben, ob der Blumenkohl, den wir vor 1,5 Wochen ausgegeben haben eine neue Sorte ist oder was da los war. Die lockere unreglmäßige Blume und lilafärbung von Kohlblättern zeigt einen Mangel an. Das heißt die Pflanze ist nicht optimal mit Nährstoffen versorgt, weile diese entweder nicht im Boden sind oder (durch Wassermangel, ungünstige Temperatur oder einem anderen Grund) nicht verfügbar sind, das können bestimmte Nährstoffe (zB Phosphor) sein, aber das können wir so genau nicht bestimmen. Neben Temperatur und Wasser kann auch die Düngung oder Vorfrucht eine Rolle spielen. Das heißt der Blumenkohl, den ihr hatten, der etwas komisch aussah von der Form oder Farbe her hat solche Mangelerscheinungen aufgezeigt, was schade ist, aber auf jeden Fall nicht heißt, dass der Kohl ungesund oder nicht essbar ist.

Blumekohl
Mara mit (eigentlich sehr hübschen) Spitzkohlblatt

Vorfreudige (auf die Ernte, die jetzt kommt blickend) und ganz entspannte (da ich euch aus einem Kurzurlaub aus der Pfalz schreibe) Grüße!
Vera

Veröffentlicht in: Acker

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